Montag, 5. September 2016

Niemandsland von Rhidian Brook | Rezension

btb Verlag | 378 Seiten | € 9,99 (D)/€ 10,30 (A) | Leseprobe | Sternebewertung: 4,00

 Als ich mir den Klappentext dieses Buches durchgelesen habe, dachte ich mir: Was für eine spezielle Thematik. Da mich die Geschichte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges sowieso sehr interessiert, war ich sofort begeistert und wollte diesen Roman unbedingt lesen.
 Inhaltlich ist zu sagen, dass es, wie eben schon erwähnt, um eine Themenstellung geht, wie ich sie noch nie gehört habe. Eine britische Familie, die Familie von Colonel Morgan, muss 1946 an die Elbchaussee in Hamburg ziehen, damit Herr Lewis Morgan an dem Wiederaufbau des Landes arbeiten kann. Ihnen wird ein wunderschönes großes Haus zugewiesen, mit Angestellten und einem ausladenden Garten. Jedoch sind auch noch die deutschen Besitzer des Anwesens dort, Herr Stefan Lubert und seine Tochter. Dem Colonel ist von Anfang an klar, er kann die zwei nicht rausschmeißen, etwas das bei seiner Frau auf Unverständnis stößt. Diese empfindet es als Zumutung, mit dem früheren "Feind" unter einem Dach zu wohnen, zumal auch noch die Deutschen es sind, die ihren Sohn auf dem Gewissen haben. Nach einer Weile aber beginnt die Mauer zwischen den einstigen Feinden zu bröckeln. Eine Geschichte des Verzeihens, der Liebe und schlussendlich auch der Menschlichkeit wird gesponnen und das in einer Ausführung die man so nicht erwarten würde.
 Rhidian Brook arbeitet für das Fernsehen und schreibt eigentlich Drehbücher, etwas dass ich beim Lesen seines Romans auch gespürt habe. Szenen werden sehr anschaulich und detailreich beschrieben, was wohl nicht der Geschmack eines jeden ist, mir allerdings gefallen hat, da es mir diese, mir unbekannte, Zeit und ihr Antlitz näher gebracht hat. Zudem ist zu erwähnen, dass der Autor von wahren Ereignissen in seiner eigenen Familie inspiriert worden ist, etwas dass mich zugegebenermaßen überrascht und zu Tränen gerührt hat, als ich davon in der Danksagung gelesen habe. War es doch sein Großvater, der damals mit seiner Familie nach Deutschland gehen musste um am Wiederaufbau teilzunehmen und es der deutschen Familie, die in dem Haus welches ihnen zugewiesen wurde lebten, ermöglichte zu bleiben.
 Dieser Roman ist keine leichte Lektüre, sowie die Zeit des Zweiten Weltkrieges keine leichte war. Man wird mit diesem Buch angeregt vieles zu hinterfragen und sich auch mit Schuld und Vergebung zu befassen. Der Leser wird ebenso eine Moral in der Geschichte entdecken, welche ist, dass man mit Liebe und Güte dem Hass in großem Ausmaß entgegenwirken kann, da das Böse sich schlussendlich immer selbst in den Schwanz beißt. 
 Obwohl ich für diesen Roman viel länger gebraucht habe, als ich anfangs dachte, hat es mir doch sehr gut gefallen. Einen Stern werde ich nichtsdestotrotz abziehen, weil es teilweise äußerst anstrengend war, mich zum Weiterlesen zu bewegen.

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