Mittwoch, 6. April 2016

Die Glücklichen von Kristine Bilkau | Rezension


Luchterhand Verlag | 300 Seiten | € (D) 19,99/€ (A) 20,60 | Leseprobe | Sternebewertung: 3,5/5

Inhalt:

 Isabell und Georg sind ein Paar. Um genau zu sein, ein Paar mit Kind, einem Sohn namens Matti (ca. 1-2 Jahre alt), dass in einer schnelllebigen, anonymen Großstadt, wie wir alle sie kennen, wohnt. Als Cellistin, welche sich nach ihrer Babypause nicht mehr in ihrem Beruf zurechtfindet und Journalist, dessen Firma der Garaus gemacht wird, bilden die beiden das moderne junge Pärchen, welches droht von gesellschaftlichen Ansprüchen und auch ihren eigenen Ansprüchen dem Partner gegenüber ertränkt zu werden.
 
 Isabells Hand zittert neuerdings bei ihrem Solo-Teil, etwas mit dem sie nicht recht weiß umzugehen und dass ihr sehr zusetzt. Georg flüchtet sich ins Planen, zunehmende Geldnot und das Gefühl des Unnütz-Seins durch die neue Arbeitslosigkeit bringen ihn dazu, sich auf das Planen der Zukunft und Sparpläne zu stürzen um einen Sinn und einen Ausweg aus ihrer Situation der gegenseitigen Schuldzuweisungen zu finden. Schlimmer macht es auch, dass Isabell Georg nichts von ihren Problemen mit ihrer zitternden Hand erzählt, was dazu führt, das Missverständnisse entstehen. Die fehlende Kommunikation zwischen den Beiden lässt sie sich immer mehr voneinander entfernen. Beide fangen an, sich unabhängig voneinander die selbe Frage zu stellen: Wie wird die Zukunft für sie als Paar und ihren Sohn aussehen?

Persönliches Fazit:

 Meine Lieben, ich weiß nicht so recht, was ich euch zu diesem Buch sagen soll. Es war ein Werk, das ich sehr lange gelesen habe, immer Stück für Stück, denn um ehrlich zu sein, drübte die Geschichte nach einer Zeit des Lesens meine Stimmung und ich musste davon ablassen. Es ist also keine "Feel-Good-Story". Dazu sagen muss ich aber auch, dass, so bedrückend die Geschichte auch sein mag, ich mich in vielen Szenen und Situationen ertappt habe zu denken: So habe ich mich auch schon einmal gefühlt. oder Das habe ich genau so schon einmal gesehen/gehört/erlebt. Besonders gut gefallen, oder besser gesagt gut im Gedächtnis geblieben, ist mir eine spezielle Stelle die ich hier gerne zitieren würde:
"(...), und dann muss sie wieder an die Kündigung der Streicher denken, die digitalen Stimmen, von denen Maggie erzählt hat, sie wollen den Klang, nur noch den Klang, aber nicht mehr die Menschen, die ihn erzeugen, nicht die Konzentration, nicht die Hornhaut unter den Fingern, das Lampenfieber, den Atem, das Herzklopfen und auch nicht die Fehler, die kleinen Patzer, all das wird nicht mehr gebraucht."
Ich empfinde diese Stelle als sehr ausschlaggebend für das Buch, weil es nicht nur darum geht, dass ein ganzes Orchester gefeuert und digitalisiert wurde, sondern auch darum, dass die meisten Menschen, in unserem Fall hier Isabell und Georg, auch in einer Beziehung oft "nur den Klang"  wollen. Nicht die Gespräche, die Auseinandersetzungen, die Tränen und die Toleranz die damit einhergeht.
 Das Buch ist, finde ich, sehr nah am Leben, am modernen, schnellen Leben und schafft es ganz gut die heutige junge sowie ältere Generation an den Pranger zu stellen bzw. so zu zeigen wie sie wirklich zu sein scheinen. Das Thema, "Wer ist der Überlegene?", ob bei den Generationen oder in einer Partnerschaft, wird behandelt und das zeitweise so überzogen, aber dennoch sehr nah an der Realität und ohne jegliche Verschönerung. In der heutigen Zeit wird nicht mehr im Moment gelebt, das darf man gar nicht, man muss immer einen Zukunftsplan haben, auch das ist es was dieser Roman explizit aufzeigt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen